Bad Nauheim und das Sparen – Haushalt 2012
Geschrieben von Alexander Plachy am 6. Mai 2012 | Abgelegt unter Allgemein
Landrat gibt Bürgerbündnis 3B Recht in Sachen Haushalt 2012
Der Haushalt 2012 wurde von der Kommunalaufsicht nur mit scharfen Auflagen genehmigt. Dies ist verbunden mit der Rüge, dass die bisherigen Konsolidierungsmaßnahmen bei weitem nicht ausreichen. Eine Entscheidung, durch das sich das Bürgerbündnis auf der ganzen Linie bestätigt sieht.
So fordert der Landrat den Bad Nauheimer Magistrat auf, die Aufwendungen noch im Jahr 2012 um mindestens 750.000 € zu reduzieren. Dazu kommen weitere 550.000 €, die eingespart werden müssen. Dieser Betrag resultiert aus der optimistischen Annahme der Kämmerin, für Lohnsteigerung nur 1% zu kalkulieren. Das Ergebnis der Lohnverhandlungen beträgt bekanntermaßen 3,5%, ein deutlich höherer Prozentsatz.
„Hier zeigt sich der schlechte Brauch, Haushaltsentwürfe schön zu rechnen. Die wahre Haushaltslage wird immer wieder verschleiert und das Problem auf den nächsten Haushalt verschoben,“ kritisiert 3B Fraktionschef Jürgen Burdak. „Die Alternative, Ausgaben zu senken, ist vielen Bad Nauheimer Politikern fremd, auch wenn jetzt von der Kämmerin auf langjährige Konsolidierungsprogramme verwiesen wird. Die gab es nicht wirklich. Ausgaben zu kürzen war noch nie beliebt in dieser Stadt.“
Das Bürgerbündnis 3B hatte in einem Minderheitenvotum zum Haushalt 2012 am 02.01.2012 klargestellt: Bad Nauheim gibt dauerhaft mehr aus, als es einnimmt. In der Haushaltsrunde des Haupt- und Finanzausschusses wurden am Ende gerade mal runde 260.000€ Ausgaben reduziert. Auf mehr hatte man sich nicht einigen können. Von 3B kamen Vorschläge von mindestens 2,2 Mio. € Konsolidierungspotential. Sie wurden nicht lange diskutiert, sondern alle abgelehnt.
Nun kommt die Quittung von der Kommunalaufsicht und trifft alle, die diesen Haushalt verabschiedet haben. Jetzt wird mit Hektik an einem Gesamtsparpaket als Nachbesserung gearbeitet, welches bis Mitte August vorliegen soll.
„Dies war alles vorhersehbar. Und es ist schon das dritte Mal, dass ein Haushalt erheblich nachgebessert werden muss, weil die Hausaufgaben nicht richtig gemacht wurden,“ beklagt Burdak. Die Aufsichtsbehörde stelle fest, „dass Bad Nauheim noch über erhebliche nicht ausgeschöpfte Konsolidierungspotentiale verfügt, „ und mache klar, den nächsten Haushalt (2013) gänzlich abzulehnen, sofern weiterhin keine deutlichen und konkreten Konsolidierungsbeiträge und –Maßnahmen auf der Aufwandsseite festgestellt werden können.“ „Das kann man nur als letzte Warnung begreifen, noch mal kommen wir nicht mit einem blauen Auge davon“ , kommentiert Burdak.
Das Unwort „Kaputtsparen“ wird gerne von den regierenden Parteien bemüht, wenn es darum geht, irgendwo die Ausgaben zu senken. Dabei ist es grundfalsch, hier überhaupt von Sparen zu reden. „Es wird nicht gespart, auch in 2012 sind die Ausgaben unter dem Strich gegenüber dem Vorjahr weiter gestiegen, wie der Landrat in seinem Schreiben moniert. Sparen heißt, etwas zurücklegen können. Das ist hier überhaupt nicht der Fall“, meint die 3B Vorsitzende Dagmar Reichardt.
Aber dies sind die heiligen Kühe der Politik, die keiner auf die Weide treiben will, weil es Wählerstimmen kosten kann: ein Stadtbus, der parallel zu den Linien des RMV betrieben wird; ein Thermalbad, das auch kleiner und dadurch kostengünstiger sein könnte; ein weiteres Schwimmbad mit der Stadt Friedberg; ein Rosenmuseum, wo jeder Besucher mit 17,33 € subventioniert werden muss; ein Eisstadion, das besonders dem Umland gefällt (aber die Stadt zahlt es allein); riesige, schöne Grünflächen, für deren Erhalt man eben etwas anderes kürzen oder aufgeben müsste; vielfältige Sportanlagen, die weitgehend kostenfrei zur Verfügung stehen; Immobilien, die die Stadt mit Kosten belasten, aber auch verkauft werden könnten.
Seit 2007 hat sich der Schuldenstand der Stadt auf 43 Mio. € erhöht und damit fast verdoppelt.
„Dies wird den Bürgern nicht nachdrücklich offen gelegt. Das Verhältnis von Ausgaben und Einnahmen in eine halbwegs ausgewogene Balance zu bringen, ist als Haushaltsleitziel in dieser Stadt nicht zu erkennen“, bedauert das Bürgerbündnis. „So wie überhaupt mittel- und langfristige Haushaltsziele fehlen, die 3B schon lange fordert. Auch ein Doppelhaushalt könnte für mehr Transparenz, Übersicht und Ausgabentreue sorgen. Hier sind alle Fraktionen gefragt, übergreifend für die Stadt ein Haushaltssanierungskonzept zu beschließen, das den Realitäten standhält.“








